am Freitag, 15. August 2008 um 19:00 Uhr
| Schloßplatz in Coburg |
Als das Debutalbum von Ich + Ich im April 2005 erschien, konnte die versammelte Presselandschaft nur staunen. Formuliert wurden Überschriften wie „Keine Generationsfrage“ und „ungleiches Paar“ (Focus), „Generationenvertrag“ (Brigitte) „Clash der Generationen“ (Musikwoche) oder auch „Melancholie und Nachdenklichkeit“ (Der Tagesspiegel). So etwas hatte man im Pop-Kosmos ganz offensichtlich noch nicht erlebt. Einerseits die New-Wave-Ikone und Ideal-Frontfrau Annette Humpe (Jahrgang 1950), die Anfang der Neunziger nach ihrer Soloplatte ganz bewusst von der Bühne abgetreten war. Andererseits der R n`B-Sänger und HipHop-Afficinado Adel Tawil (Jahrgang 1979) mit zeitweiliger Boygroup-Vergangenheit.
Hier die erfolgreichste Produzentin der Republik, dort das damals nur Insidern bekannte Soultalent. „Es ist ein Anblick, bei dem einiges nicht so recht zusammenpassen will“, beschrieb eine Berliner Journalistin ihre Befindlichkeiten beim Treffen mit Ich + Ich im Kaffeehaus. „Vielleicht machen gerade diese Gegensätze die künstlerische Anziehung zwischen den beiden aus.“ Konnte das gut gehen, schwang da zwischen den Zeilen mit. Konnte dieses Team interessante Musik machen? Es konnte. Sicherlich keine Konsens-Nummern, sondern Slow- bis Midtempo-Stücke voller Hoffnung und Wehmut. Die Formel der Soulmusik, in dem das Wechselspiel des Lebens zwischen „Joy and Pain“ besungen wird, stand Pate. Wobei Ich + Ich nicht an musikwissenschaftlicher Stilpflege interessiert sind, sondern eher instinktiv an die Sache herangehen. Schließlich sagt Text- und Songschreiberin Annette Humpe von sich: „Ich bin weiß wie Brot, dennoch arbeite ich in die gleiche Richtung. Dabei geht es immer darum, die Klippen des musikalischen Kitsches zu umschiffen. In meiner Musik sind Gefühle ein zentrales Anliegen. Doch nachdem in den letzten Jahren alle angefangen haben explizit über zu Liebe singen, wollte ich etwas anderes machen.“
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